Städtereise nach Prag


Wir – eine kleine Gruppe reislustiger Frauen, die gerne neue Städte kennenlernen möchten – haben beschlossen Prag, eine der ältesten und schönsten Städte Mitteleuropas zu bereisen. Durch die Stadt mit 1,2 Mio. Einwohner fließt die Moldau, die wiederum nach 40 Kilometer in die Elbe mündet. Prag ist beindruckend schön, historisch und doch ganz neu, bunt und sauber, romanisch, gotisch, barock, kubistisch und noch viel, viel mehr…

Wir sind mit dem Auto gereist, in Prag waren wir über unser Navi sehr froh. Trotz hoffnungslosem Straßengewirr wurden wir zu unserem Hotel geleitet und unser Auto stellten wir in den nahegelegen Parkhaus ab. Von der weiten Anreise etwas ermüdet haben wir uns nach dem Einchecken in unser Hotel in der „Altstadt“ eine kurze Ausschnaufpause gegönnt.

Prag liegt im Herzen Mitteleuropas, sie ist seit 01. Januar 1993 die Hauptstadt der Tschechischen Republik und der Mittelböhmischen Region. Sie wird umringt von sanften Hügeln in einem Teil von Böhmen.

Sie wird auch die „goldene Stadt“, „Stadt der 100 Türme“, „Stadt der 100 Brücken“ oder „Paris des Ostens“ genannt. Hier wurde die erste deutsche Universität errichtet.

Die Altstadt – „Staré Městro“ ist eines der historischen Stadtviertel auf der rechten Flussseite.

Und in der Altstadt liegt auch der „Altstädter Ring“.

Ein riesengroßer Platz (ca. 9000m²), der schon im 11. Jahrhundert als städtischer Marktplatz für die Bauern und Händler aus ganz Europa diente ist auch heute noch zentraler Platz für Verkaufsstände. Viele Straßencafés laden zum Verweilen ein, Straßenkünstler zeigen ihr Können, ein reges Treiben zu jeder Tageszeit, auch nachts hat dieser Platz ein besonders Flair zu bieten.

Umgeben wird der Altstädter Ring von vielen historischen Gebäuden, wie z.B. der Teyn-Kirche, dem Altstädter Rathaus, St. Nikolaus-Kirche und dem Jan-Hus-Denkmal.

Jan Hus – war ein christlicher Reformer, er kämpfte leidenschaftlich für eine Reform der verweltlichten Kirche.

Ab 1402 predigte er in der Bethlehems Kapelle in tschechischer Sprache und führte das gemeinsame Singen in der Landessprache ein. Am 6. Juli 1415 wurde „Jan Hus“ von der katholischen Kirche als Ketzer auf dem Scheiterhaufen in Konstanz verbrannt. Die protestantischen böhmischen Hussiten (so wurden die Anhänger von Jan Hus genannt) kämpften weiterhin gegen die katholischen Herrscher. Die Katholiken enteigneten die „Reformer“ in ihren hussitischen Kirchen – als Revanche stürzten die sogenannten Hussiten im Juli1419 den Bürgermeister und ein dutzend Ratsherren aus dem „Neustädter Rathaus“, welche dann von der wartenden Menge aufgespießt wurden. Das war der 1. Prager Fenstersturz.

Das Neustädter Rathaus hat einen 69 m hohen Rathausturm, mit einem Aufzug gelangt man auf die Spitze und kann einen schönen Überblick über Prag genießen.

 

 

 

 

 


Die Hauptattraktion im Turm des Rathauses ist die Astronomische Uhr – „Orloj“ auch Aposteluhr genannt. Sie wurde im 15. Jahrhundert fertiggestellt Ein Glockenspiel und das Erscheinen der Apostel ist tagsüber zu jeder vollen Stunde zu bewundern.

 

 

 

 

 

 

Die Kirche St. Maria vor dem Teyn.

Sie wurde im 14. Jahrhundert gebaut, die gotische Fassade wurde im 15. Jahrhundert vollendet.

Die überragende Kirche mit seinen spitzen Türmen ist eines der bekanntesten Symbole der tschechischen Hauptstadt. Sie spielte auch in der Geschichte der Reformation des „Jan Hus“ eine bedeutende Rolle. Als Zentrum der hussitischen Bewegung wirkten in dieser Kirche bekannte reformatorische Prediger.

Weiter ging es zu dem historischen „Wenzelsplatz“, benannt nach dem heiligen Wenzel, Herzog von Böhmen, er leitete die Christianisierung der Tschechen ein.

Ein Platz von bewegenden historischen Ereignissen – wo sich immer wieder Tausende für leidenschaftliche politische Kundgebungen versammelten.

Wie z.B.: 1968 Die Reformbewegung des „Prager Frühlings“, Alexander Dubček versprach einen „neuen Sozialismus“ mit menschlichem Antlitz, welche durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes unter Führung der Sowjetunion gewaltsam unterdrückt wurde. 1969 verbrennt sich der Student „Jan Palach“ aus Protest gegen die Passivität und Apathie der Bevölkerung.

Und dann 1989 – hunderttausende von Menschen leiten die „Samtene Revolution“ ein, das Jahr in dem die Freiheit nach Osteuropa kam und die die kommunistische Herrschaft beendet wurde.
Nach einem guten Abendessen ging unser Rundgang zu Fuß weiter durch das jetzt bereits dämmernde Prag.

Das „Tanzende Haus“ ist der Spitzname des an der Moldau liegende, 1996 von den Architekten Frank O. Gehry und Vlado Milunić errichtete Bürogebäude.

Ein „neues Wahrzeichen“, ein Ausdruck für das moderne Prag, welches nach dem Bau vielfältigen Diskussionsstoff lieferte. Das Gebäude erinnert an eine tanzende Frau mit Kleid, die sich an einen Mann mit Hut lehnt. Die Prager nennen es auch liebevoll Ginger und Fred, nach dem berühmten Tänzerpaar Ginger Rogers und Fred Astaire.

 

 

 

Der 2. Tag unserer Reise:

Die Josephstadt – „Josefov“ war einst das separate jüdische Viertel, ehemaliges Ghetto, es ist ein Teil des Altstadtviertels. Heute: „Das Jüdische Museum in Prag“.

Die Ausstellung ist täglich geöffnet außer Samstags und an jüdischen Feiertagen.

In Prag begann die Geschichte der jüdischen Besiedlung im 10. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert zählte man 7000 jüdische Einwohner. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Leben der jüdischen Gemeinde durch Verfolgungen, Plünderungen und Brände erschwert. Die Juden wurden gezwungen in diesem abgegrenzten Stadtteil zu wohnen. Die dunkelste Zeit begann für die jüdischen Bewohner jedoch durch die Nationalsozialisten mit der systematischen Ausrottung. Etwa 90% der böhmischen und mährischen Juden kamen während des 2. Weltkrieges ums Leben.

Der Rundgang durch die Josephstadt führt durch sechs Synagogen mit verschiedenen Ausstellungen.

Die Altneusynagoge – älteste Synagoge Europas aus dem Jahr 1275 Die Klausensynagoge – eine Ausstellung „Jüdische Traditionen und Bräuche I“. Der Zeremoniensaal – hier ist die Ausstellung „Jüdischer Traditionen und Bräuche II“ untergebracht. Die Spanische Synagoge – symbolisiert den Reichtum der jüdischen Gemeinde im 19. Jahrhundert. Die Maisel Synagoge– Die Geschichte der Juden in Böhmen und Mähren – von den Anfängen der Besiedlung bis zur anbrechenden Emanzipation.  Besonders beeindruckend war für uns die Pinkasynagoge – Gedenkstätte für die tschechischen Juden. Zwischen 1992 und 1996 wurden die rund 80.000 Namen der in der NS-Zeit umgebrachten tschechischen und mährischen Juden wieder von Schriftemalern auf die Synagogenwände geschrieben. Im 1. Stock ist eine Ausstellung von Kinderzeichnungen aus Theresienstadt (1942 bis 1944) untergebracht.

Franz Kafka, ein weit über die Grenzen Prags hinaus bekannter Literat – sein Geburtshaus ist auch zu besichtigen.

Nach der Josephstadt machten wir uns auf dem Weg zum Veitsdom in der Prager Burg, auch eines der bekannten Wahrzeichen der Stadt. Das Gebiet rund um die Prager Burg heißt Hradschin – „Hradčany“ und liegt links der Moldau. Unterhalb der Prager Burg befindet sich das Stadtviertel – die Kleinseite „Malá Strana“, es wurde so genannt, weil es kleiner war als der Bezirk am rechten Ufer.

Wir überquerten die Moldau über die Karlsbrücke  –  „Karlův Most“, sie verbindet die „Altstadt“ mit der „Kleinseite“. Eine Fußgängerbrücke, im 14. Jahrhundert erbaut, durch Stürme und Hochwasser immer wieder zerstört aber immer wieder erneuert. Bis ins 19. Jahrhundert war dies Prags einzige Brücke und sie hieß einfach nur „Steinbrücke“. Erst im Jahr 1870 wurde sie nach dem ursprünglichen Erbauer, dem heiligen, römischen Kaiser und König von Böhmen Karl den IV benannt. Die 510 m lange und 10 m breite gotische Brücke wird gesäumt von 30 Statuen und Gruppenskulpturen am Brückengeländer entlang. Auf der rechten Seite der Brücke steht der „Altstädter Brückenturm“( in diesem Turm befindet sich im 1. Stock eine Aussichtsgalerie mit Blick auf die Prager Burg und die Altstadt) und auf der linken Seite der Brücke stehen die „Kleinseitner Brückentürme“.

Auf der anderen Seite, der Kleinseite angekommen stellte sich für uns die Frage, ob wir besser die Straßenbahn zum „Veitsdom“ in der Prager Burg nehmen sollten oder den langen Aufstieg zu Fuß über die Schlossstiege wagen sollten.

Nach kurzen Überlegungen teilt sich unsere Gruppe, nun ja, die einen waren doch besser zu Fuß…


Der Veitsdom  –  „Katedrála sv. Vita“

Die gotische Kirche der böhmischen Könige und Habsburger Kaiser an der mehr als 600 Jahre gearbeitet wurde. Die Architekten kamen aus Frankreich, Deutschland und Österreich. Und die Baumeister, welche die Kirche 1929 fertig stellten, bauten strikt nach den originalen Bauplänen aus dem 14. Jahrhundert. Im 99 m hohen Hauptturm hat man die beste Aussicht über Prag. Die „Sigismundglocke“ ist die größte Glocke im Veitsdom, sie wiegt 17 t und sie ist auch die größte Glocke Tschechiens.

Die Prager Burg „Pražský hrad“

Der Präsident der tschechischen Republik hat hier heute seine offizielle Residenz.

Im Ludvik-Flügel befindet sich der Raum in dem es am 23.05.1618 zum zweiten Prager Fenstersturz kam. Böhmische Protestanten und der katholische Herrscher König Ferdinand aus dem Hause Habsburg gerieten in Streit. Es wurde jede Form des Protestantismus abgelehnt. Auf der Prager Burg wollten die Protestanten den katholischen Stadthalter zur Rede stellen, wobei sie ihn und seine Angestellten ohne viel Worte aus dem Fenster stürzten. Die Landung war dieses Mal sanft, sie landeten auf dem Misthaufen und überlebten. Dieser Sturz hatte aber sehr schwere Folgen, er war der Auslöser des Dreißigjährigen Krieges.

Der 3. Fenstersturz in Prag: Der tschechische Außenminister Jan Masaryk, er war nicht kommunistisch, stürzte am 10 März 1948 im Schlafanzug aus dem Fenster seines Büros. Offiziell war es Selbstmord, Gerüchte sagen, dass es sich um Mord durch die kommunistische Geheimpolizei handelte. Die Umstände des Todes gelten weiterhin als ungeklärt.

Nach der Prager Burg gingen wir wieder zum gemütlichen Teil über. Sightseeing macht hungrig und durstig. Wir suchten uns eine traditionelle Gaststube und genossen die böhmische Küche wie „Gulasch mit Knödeln“ und natürlich das „tschechische Bier“…

Der 3. Tag:-)

Eigentlich wollten wir das „Klementinum“ ein ehemaliges Jesuitenkolleg, in der Stadt der zweitgrößte Baukomplex nach der Prager Burg, besichtigen, aber leider war „wegen Renovierung geschlossen“. Erbaut im 16. Jahrhundert um das Apostolat der Jesuiten zu unterstützen und den Katholizismus in Prag auszubereiten. Heute ist hier die Nationalbibliothek untergebracht. Bestehend aus einem interessanten Bibliothekensaal der Jesuiten, dem Mozart-Saal und der früheren Spiegelkapelle, die vor allem durch den tollen Gemäldeschmuck besticht, sowie der Mathematik-Saal in dem eine Ausstellung alter Tischuhren und Globen sehenswert ist. Aber all das haben wir leider nicht besichtigen können.

Unser nächstes Ziel – das Strahov-Kloster  –  „Strahovský klášter“

Wir waren wieder zu Fuß unterwegs über die Karlsbrücke zur „Kleinseite“ am linken Ufer der Moldau. Wir suchten uns die Talstation der Zahnradbahn und fuhren den Laurenziberg hoch zur Bergstation. Von dort wanderten wir in Richtung Strahov-Kloster. Besonders sehenswert sind die Bibliothekensäle, welche zahlreiche Unikate, Stiche, Drucke, Handschriften und Landkarten beherbergen. Die größte Kostbarkeit ist eine Handschrift aus dem 9. Jahrhundert das „Evangeliar von Strahov“. Um die Bibliothekensäle besichtigen zu können, braucht man eine Führung – das heißt, bei Interesse vorher anmelden. Nach Besichtigung der beeindruckenden Bibliotheken wanderten wir weiter, wieder in Richtung Kleinseite.

Auf der Terrasse des Nebozízek vorbei kommend, hoch über der Kleinseite, mit phantastischem Ausblick über Prag und auf die Burg, legten wir eine kleine Pause ein. Dieses historische Lokal serviert landestypische Küche, wobei wir nur den „Wein“, die „Aussicht“ und die „Leichtigkeit des Seins“ genossen haben.

 

Prague Symphony Orchestra in the „Smetana Hall“ – Das war unser krönender Abschluss in Prag.
 

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Ein besonders beindruckendes Erlebnis – im „Gemeindehaus“. Das Gebäude ist der bekannteste Jugendstilbau in Prag. Innerhalb des Gebäudes gibt es drei Konzertsäle, den großen Smetana-Saal, den reich ausgestattete Gregr-Saal und die Art Nouveau Halle.

Am nächsten Tag packten wir wieder unsere Koffer und machten uns auf den Heimweg.

Für Städteliebhaber wie wir es sind stand Prag zwar auf unserer Liste – aber nicht ganz oben.
Nichtdestotrotz sind wir alle sehr positiv überrascht worden und begeistert nach Haus gefahren.

Unser Fazit: Prag ist auf jeden Fall eine Reise wert!

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